- Eine vergessene Kamera -
 

     
 

Startseite

 

Technische
Daten

 

Fotos

 

Links

 

Feedback
Impressum

 

________________________________________________________________________

 

Die Vorzüge, aber auch die Nachteile der Nikon L35AF sollen hier anhand einiger Beispiele aus der Praxis erläutert werden, alles beruhend auf intensivem Umgang mit dieser Kamera seit 1992. Aber bitte nicht alles so ganz bierernst nehmen, die Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden.

Das Beste an der L35AF ist, dass man mit ihr extrem sauschnell und spontan agieren kann! Sie ist besonders für jene Situationen geeignet in denen es wirklich um Bruchteile von Sekunden geht.  Auslöseverzögerung - was ist das denn? Dabei liegt sie dank ihres Griffes angenehm und beinahe bombenfest in der Hand.

Mit dieser Schnelligkeit arbeitet auch der Autofokus, der sogar bei völliger Dunkelheit sehr zuverlässig funktioniert. Probleme gibt es hier allenfalls bei dichten Rauchwolken, schwarzem Samt oder auf stark reflektierenden Flächen.

Im Sucher befindet sich eine analoge Anzeige die mit Symbolen verdeutlicht, auf welche Entfernung der Autofokus sich gerade eingestellt hat. Hilfreich ist dabei ein dezentes, leises, kurzes Geräusch, welches darauf hinweist, das man den Auslöser weit genug durchgedrückt hat um den Autofokus zu aktivieren.

Bei ausgefahrenem Blitz wird der Sucher durch das Licht der Blitzbereitschaftslampe ein wenig überstrahlt, welches jedoch nur bei starker Dunkelheit sichtbar wird. Somit bleiben dann das Autofokus-Visier und die Entfernungssymbole mit Anzeigenadel noch erkennbar und kontrollierbar.

Allerdings ist der Sucherdurchblick durch dieses Licht dann deutlich getrübt.

Die Kamera arbeitet ausschließlich mit Programmautomatik, welche bei "normalen" Motiven sehr gut belichtet und bei Bedarf den Blitz herausspringen lässt. Durch den erhöhten Abstand zwischen Objektiv und Blitz in Verbindung mit der Festbrennweite von 35mm ergeben sich im Normalfall, vor allem im Nahbereich, keine roten Augen. Sie kommt somit gut ohne zeitraubendes Vorblitzlicht-Gewitter aus.

Will man ohne Blitz fotografieren, hält man das Blitzgerät einfach nach unten gedrückt. Dieses ist sicher nicht sehr elegant gelöst, aber durchaus möglich.

Ein weiterer Punkt, der von einigen vielleicht eher als Nachteil empfunden wird, ist die nicht vorhandene DX-Filmempfindlichkeitseinstellung. Die von Hand einstellbare Filmempfindlichkeit lässt sich jedoch für eine bewusste + oder - Korrektur nutzen.

Zusätzlich besitzt die Kamera noch eine Gegenlichtkorrekturtaste deren Benutzung bei Bedarf zu empfehlen ist.

Die L35AF lässt sich in fast allen Gelegenheiten mit nur einer Hand bedienen, was Schnelligkeit und Spontaneität natürlich stark entgegenkommt. Nur für das Unterdrücken des Blitzes und für den Gebrauch der Gegenlichtkorrekturtaste ist beidhändige Bedienung von Nöten.

Dies ermöglicht jederzeit Schnappschüsse aus dem Handgelenk zu machen, ähnlich wie bei einer Lomo-Kamera. Nur halt deutlich schärfer, denn die Nikon verfügt über ein ausgezeichnetes Objektiv mit hoher Lichtstärke und hat sogar ein Filtergewinde (für Kompaktkameras eher unüblich). Dabei soll fairerweise erwähnt werden, dass besondere Schärfe nicht das Bestreben des Lomographen ist, die Lomo LCA-Kamera verfügt über andere Vorzüge.

Lediglich bei ausgefahrenem Blitz, während der Aufladung ist der Auslöser gesperrt. Die Blitzladezeit ist aber angenehm kurz und wie oben beschrieben lässt das Blitzen im Bedarfsfall auch ganz unterdrücken.

Erschöpfte Batterien sollten allerdings vermieden werden, ansonsten muss man bei der Blitzladezeit und beim Filmtransport Einschränkungen in der Schnelligkeit hinnehmen. Frische, gute Batterien schlagen jedoch nicht allzu sehr auf den Geldbeutel, denn die Kamera kommt mit zwei kostengünstigen 1,5V Mignon (Typ AA) Zellen aus.

Nutzt man einen Filter als Objektiv-Schutz (statt des serienmäßigen Plastik-Deckels) ist sie auch in der Jackentasche oder im Rucksack praktisch stets bereit für ein spontanes Foto.

Die Filmrückspulung erfolgt motorisch, nachdem man den Rückspulsicherungsschalter nach links und dabei den Rückspulknopf hineingedrückt hat. Nach vollendeter Rückspulung guckt die Filmlasche stets noch ein kurzes Stück aus der Patrone, was in manchen Fällen nützlich sein kann.

Als letzter Pluspunkt sollte hier noch das Design erwähnt werden. Die kantige Form der L35AF wirkt heute irgendwie kultig und entspricht dem Stil der 80er, ist aber eben auch typisch Nikon. Kein Wunder, denn das Design stammt von Giogiaro, welcher z.B. auch die legendäre Nikon F3 geschaffen hat.

Die Nikon L35AF hat sich inzwischen als recht langlebig und robust erwiesen, auch wenn sie in dieser Hinsicht natürlich keinesfalls mit der herausragenden Qualität einer Nikon F2 oder F3 vergleichbar ist, mit welcher man auch Nägel in Wände schlagen könnte.

 

________________________________________________________________________

 

Nun zu den Nachteilen: Eine kleine Katastrophe ist die Konstruktion des Batteriefachdeckels. Der Deckel geht zu leicht auf und die Batterien kullern in den nächsten Gully. Ein Stück Klebeband kann das verhindern und so unsere Umwelt schonen.



Auch das Plastik-Knickscharnier am Batterie-Deckel ist nicht sehr schön, bei vorsichtigem Umgang aber durchaus sehr lange haltbar.



Schade ist das die L35AF über keine langen Belichtungszeiten verfügt. Die längste Zeit beträgt lediglich 1/8 Sekunde.

Auch ist sie keine Kamera für die Hemdtasche, dafür ist sie zu groß und zu schwer. Aber wer trägt denn auch heutzutage noch Hemden mit Taschen?


Wenn es um besondere Einsatzbereiche wie Portrait- oder Makrofotografie geht ist eine Kompaktkamera natürlich ohnehin wenig geeignet, die L35AF macht hier keine Ausnahme. Rundum perfekt ist eben keine Kamera, es kommt immer auf den Verwendungszweck an.


 
Die gute alte "Nikotin", seit 1992 im Einsatz, hat schon so einiges erlebt...


 ________________________________________________________________________

 

Es ist bekannt, dass Nikon für seine vielen hochwertigen und innovativen Produkte von herausragender Qualität weltweit große Anerkennung erlangt hat. Die L35AF, Nikons erste Kompaktkamera mit Autofokus, sticht daran gemessen wirklich nicht besonders hervor. Vielleicht liegt es auch daran, dass ihr bisher kaum jemand Beachtung schenkte, oder?

Aber möglicherweise trägt diese Seite dazu bei, sie nach über 20 Jahren noch einmal ins Scheinwerferlicht zu rücken - die Nikon L35AF hätte es verdient.

 

 

 Fotos & Text: Thomas K.
Design & Gestaltung: Alexander Wendt